Frauenmonat März: Sichtbarkeit ist wichtig – Veränderung noch wichtiger

Ein persönlicher Beitrag von Christin-Marie Stamm

„Wir sind stark. Wir sind unabhängig. Und wir werden weiter für echte Gleichberechtigung kämpfen.“

Der März ist für viele ein besonderer Monat. Ein Monat, in dem die Themen von Frauen sichtbarer werden. Ein Monat, in dem Veranstaltungen, Aktionen und Diskussionen rund um Gleichstellung, Teilhabe und Gerechtigkeit stattfinden. Und ein Monat, der zeigt, wie viel Engagement, Kraft und Solidarität in diesem Thema steckt.

Auch in diesem Jahr war der Frauenmonat geprägt von zahlreichen Veranstaltungen, Gesprächen und Initiativen. Viele Frauen haben organisiert, diskutiert, vernetzt und vor allem eines getan: sichtbar gemacht, was sonst viel zu oft im Alltag untergeht.

Dafür möchte ich ganz ausdrücklich Danke sagen. Danke an alle, die ihre Stimme erhoben haben. Danke an alle, die Räume geschaffen haben für Austausch, für Kritik, für neue Ideen. Und danke an die vielen Frauen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen. Oft ohne große Bühne, aber mit enormer Wirkung.

Und gleichzeitig erlebe ich auch ganz persönlich, wie notwendig dieser Einsatz weiterhin ist.

Als Frau in der Politik weiß ich, dass Gleichberechtigung noch längst nicht selbstverständlich ist. Auch heute noch gehören Situationen zum Alltag, in denen ich gefragt werde: „Für welchen Abgeordneten arbeiten Sie?“ – schlicht, weil viele immer noch nicht automatisch davon ausgehen, dass eine Frau selbst das Mandat innehat. Das sind kleine Momente, die aber sehr deutlich zeigen, wie tief bestimmte Rollenbilder noch verankert sind.

Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall, sie stehen stellvertretend für strukturelle Hürden, mit denen viele Frauen in unterschiedlichen Bereichen konfrontiert sind.

Doch so wichtig dieser Monat ist: Er darf kein einmaliges Schlaglicht bleiben.

Denn die Realität zeigt, dass wir noch lange nicht am Ziel sind.

Frauen verdienen im Durchschnitt weiterhin weniger als Männer. Sie übernehmen nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Care-Arbeit – sei es in der Familie, bei der Pflege von Angehörigen oder in der Organisation des Alltags. Viele arbeiten in Teilzeit, nicht weil sie es wollen, sondern weil die Strukturen es oft nicht anders zulassen.

Gleichzeitig erleben Frauen noch immer Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt. Im Privaten, im öffentlichen Raum und auch im Berufsleben. Und auch politisch sehen wir immer wieder Entwicklungen, die eher nach Rückschritt als nach Fortschritt aussehen.

All das zeigt: Gleichstellung ist kein Selbstläufer. Sie muss jeden Tag neu erkämpft, verteidigt und gestaltet werden.

Gerade deshalb ist der Frauenmonat so wichtig. Er bündelt Aufmerksamkeit. Er schafft Sichtbarkeit. Er bringt Menschen zusammen. Aber er darf nicht der einzige Moment im Jahr bleiben, in dem wir über diese Themen sprechen.

Was wir brauchen, ist ein dauerhaftes Bewusstsein.
Eine Politik, die Gleichstellung ernst nimmt.
Strukturen, die Frauen wirklich stärken.
Und eine Gesellschaft, die nicht wegschaut, sondern hinsieht und handelt.

Für mich ist klar: Wir dürfen uns nicht mit kleinen Fortschritten zufriedengeben, wenn gleichzeitig an anderer Stelle Stillstand oder Rückschritt droht. Es geht um echte Veränderungen. In der Arbeitswelt, in der Familienpolitik, in der Bezahlung, in der Repräsentation und im Schutz vor Gewalt.

Der März geht zu Ende. Aber die Themen bleiben.

Und deshalb bleibt auch unser Auftrag: für echte Gleichstellung zu kämpfen. Jeden Tag und ohne Kompromisse.

Wir sind viele. Wir sind stark. Wir sind unabhängig.

Und wir werden weiter dafür kämpfen, dass Gleichberechtigung nicht nur ein Versprechen ist, sondern gelebte Realität.  An jedem einzelnen Tag im Jahr.

Eure Christin-Marie Stamm